Krümel und Ebbi

zwei absolute Antihausfrauen. Hausarbeit ist so das Fürchterlichste was es gibt. Nicht dass unsere Haushalte vergammelt sind, nein die Hausarbeit ist auf das Wesentliche beschränkt und perfektioniert, dass es so wenig wie möglich kostbare Zeit in Anspruch nimmt.

Es gibt viel wichtigere Dinge im Leben...
...aber einmal im Jahr bekommen wir eben doch einen megagalaktischen hausfraulichen Anfall, nämlich immer zur Vorweihnachtszeit. Dieser Anfall wird in Anbetracht der Seltenheit so heftig ausgelebt, dass es fürs ganze nächste Jahr reicht.

Alleine macht so ein hauswirtschaftlicher Tatendrang natürlich keinen Spaß, das muss man schon gemeinsam durchleiden.

Am Anfang unserer Geschichte vor über 20 Jahren standen 2 Mädels die jeweils zuhause für sich ein paar wenige Plätzchen produziert haben, denn Adventszeit ohne unsere schwäbischen Guatsle ist einfach nix. Die Sortenvielfalt ließ natürlich zu wünschen übrig und die Mütter und Schwiegermütter hatten in einer total egoistischen und aufrührerischen Art einfach ihre Produktionen eingestellt.

Also haben wir die Problemstellung ablauforganisatorisch (Ebbi) und personell (Krümel) erörtert, sozialkompetenzmäßig (Versorgung unserer Lieben) bewertet und beschlossen, mit der Operation "Guatsle" zu beginnen.

Unser jährlicher proppe voller Backeinkaufswagen war beim Schorndorfer Kaufland schon bei den Kassenmädels gefürchtet. Bekannte die uns beim Einkauf getroffen haben, waren jedes Mal aufs Neue geschockt über die Mengen an Butter, Haselnüsse, Glassuren und und und. Inzwischen sind wir auch hier mit der Zeit gegangen und haben unsere Zutaten in "A-Teile" (Nüsse, Mandeln) und "B"-Teile (Mehl, Zucker) aufgeteilt und 2 Läden als Lieferanten nach eingehender Lieferantenbeurteilung (Preis, Qualität, Regalaufbau) ausgesucht.

Natürlich müssen wir noch die Nebendarsteller unserer Chaostage vorstellen: Da sind einmal Daniel und Tobias - beide inzwischen erwachsen und nicht mehr an den backtechnischen Einzelheiten, sondern nur noch am Ergebnis und den Serviceleistungen des Hotels Mama interessiert - die Kinder von Ebbi. Wolfi, der Göttergatte von Ebbi ist meistens nur kurz anwesend, da er mit seinem gelben Flitzer die vielen Pakete vor Weihnachten ausliefern muss. Dies hindert ihn aber nicht daran, während einer kurzen Pause schnell aufzutauchen und mit einem Messer bewaffnet, ein riesen Stück Teig zu klauen. Und auch nicht vergessen darf man Greif, den gefräsigen Schäferhund von Ebbi. Er ist ein hochexplosiver unkalkulierbarer Faktor für unsere Backbleche, denn so ein zum Trocknen hingerichtetes Blech mit Bärentatzen wäre für ihn gerade die richtige Vorspeise. Und dann gibt es noch Matze, der Angetraute von Krümel und Inga der Nachwuchs von Krümel. Sie ist momentan die einzige, die uns hin und wieder beim Backen hilft, derweil das pupertäre Zickenalter noch nicht erreicht ist. Als Letzter fehlt noch Arec, der Schäferhund von Krümel. Er liegt grundsätzlich im Weg, ob vor dem Backofen, dem Kühlschrank oder dem Backtisch. Was ein bissle an unserem Ehrgeiz nagt ist, dass er völlig ignorant gegenüber unserer Backkunst ist, denn unsere Guatsle frisst er nicht.

Schauplatz der Chaostage ist Ebbis Küche, der Gang, Wohnzimmer, Esszimmer und sehr wichtig, der Hausgang - dient als überdimensionaler Kühlschrank!

Auch der Ablauf der Chaostage hat sich inzwischen verändert. Da wir beide versuchen, Familie und Job unter einen Hut zu bringen, arbeiten wir im Gegensatz zu früher in Teilzeit. Das gibt uns die Möglichkeit, bei Terminengpässen auch mal an einem Donnerstag oder Freitag mittags schon das Wellholz zu schwingen (Frau von der Leyer sei Dank, höhö). Was aber trotzdem bleibt, ist dass Ebbi nebenher die Waschmaschine füttern, die beiden Gäste des Hotels Mama zu kleinen Dienstleistungen motivieren und ganz wichtig, Tobias das Computerspielen vermiesen muss. Vielleicht sollte mal einer ein virtuelles Backcomputerspiel erfinden, dann würde er backen und backen und backen. Krümels Pferdemädels werden samstags von Matze erledigt oder von Krümel im Schnelldurchgang unter der Woche. Was trotz allen Änderungen bleibt, ist der Startschuss um 13.30 Uhr.

Na ja, und all die Chaostage liefen nicht reibungslos - es gab da manche Schwierigkeiten zu umschiffen. Früher musste man bei der Zeiteinteilung beachten, ob die Mäuse (Daniel und Tobias) beim Backen helfen möchten (....was inzwischen ziemlich unwahrscheinlich ist, Coole backen nicht - nein, sie vertilgen dafür Unmengen an fertigen Guatsle vom Abkühlrost oder überfallen und plündern die gelagerten Vorratsdosen), ob das Krümelkindi helfen, essen oder spielen möchte und ob wir einen oder 2 dumme und inzwischen nicht mehr junge Hunde in der Wohnung haben die ständig am Fange spielen, stänkern oder ein echte Bedrohung unserer Backbleche darstellen und und und.

Einmal hatten wir Daniel als Aufpasser für Greif in die Küche abkommandiert, aber was soll man dazu sagen? Wir hatten den Bock zum Gärtner gemacht. Greif hat nix gefressen, aber der Daniel und nicht zu wenig. Nach zwei Jahren hatte dann auch Tobias das "gefrässige Alter" erreicht. Was Wiederum den Niederschlag in der Plünderung des Schokoladenbrotes fand - seither backen wir die doppelte Menge. Um unser Adrenalin in die Höhe zu treiben, versagte an einem Backtag die Küchenwaage - ein Nogo. Wolfi konnte als eilig herbeigerufener Retter in der Not noch kurz vor Ladenschluss eine shoppen.

Vor 2 Jahren wollte Ebbis Backofen unsere Belastungsgrenze testen, er war mit seiner Heizleistung ziemlich einseitig und wir mussten sämtliche Backbleche nach der halben Zeit umdrehen. Als wir dann die ganzen Mengen gebacken hatten, wurde der neue Superherd geliefertů..Unsere persönliche Bestleistung bei der Chaosbeherrschung war bis jetzt die Aufgabenstellung: "Backe 4 Sorten Plätzchen an einem Nachmittag, stelle ein 8 Monate altes Baby im Kindersitz auf den Küchentisch, beschäftige ein laufendes, nur Blödsinn im Kopf habendes Kleinkind, binde einen Schäferhund an den Küchentisch damit er nicht laufen kann, derweil verletzt und fall ja nicht über den anderen dödeligen Hund vor dem Kühlschrank".

Wir haben uns auch zum Beispiel nicht von der drohenden Ankunft von Inga aus dem Konzept bringen lassen. Wir haben Inga einfach ausgetrickst und einen Backtag früher angefangen, als sie dann ein paar Tage alt die Chaostage stören wollte, waren wir schon fast fertig. Den letzten Backtag hat sie dann als Mini-Erdenbürger auf Ebbis Sofa verschlafen - völlig ungerührt von dem Tohuwabohu um sie herum.

Auch als Ebbis Bank umzog oder wie jetzt, just zum Backtermin an den Wochenenden ihr System umstellt, wir werden es auch dieses Jahr schaffen unser Lieben mit der großen exklusiven "Blauen-Zimtsterne"-Kollektion zu verwöhnen. Und denkt immer daran, wer keine leeren Dosen vom Vorjahr zurückgibt, beikommt keinen Nachschub. Und verkaufen tun wir die auch nicht, die muss man sich schon irgendwie "verdienen".

Wer weiß was es dieses Jahr neues gibt? Wir werden es dann berichten. So und jetzt heißt es wieder Start frei für die Chaostage.



mail?
Krümel: kruemel@blaue-zimtsterne.de


Ebbi: ebbi@blaue-zimtsterne.de

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